Werkstattgespräch
Frédéric besuchte mich in meinem Atelier in Biel/Bienne und sprach mit mir über Anfänge, Zweifel und mein Handwerk. Das Werkstattgespräch führen wir auf Französisch. Deutsche Untertitel findest du im Menü «cc» des Videoplayers – Zweisprachigkeit gehört zur DNA von 47° Nord.
Wie alles begann
Mein Weg zum Rahmenbauer begann vor über 20 Jahren in einem Veloladen, der Rahmen in einer kleinen Manufaktur herstellen liess. Das war mein erster Kontakt mit diesem Handwerk. 2006 wurde mir mein Velo gestohlen, ein passendes Ersatzvelo fand ich nirgends. Zum Glück lernte ich jemanden in Biel kennen, der eine Werkstatt hatte. Dort baute ich, mit einer vagen Idee und einer Handvoll Rohren von einem Rahmenbauer, meinen ersten Rahmen.
Die Anfänge waren nicht einfach. Es gab Zeiten, in denen das Telefon nicht klingelte und niemand im Laden auftauchte – dann fragte ich mich: Wieso mache ich das eigentlich? Eine Teilzeitstelle half mir über diese Jahre: Abends und am Wochenende arbeitete ich für meine eigene Firma, so konnte ich die Rechnungen bezahlen und der Kopf blieb frei für die handwerklichen Details.
Der erste Rahmen
Den ersten Rahmen verkaufte ich an eine Kundin aus Zürich – ohne Erfahrung im Ausmessen oder im Schreiben von Offerten. Als das Velo fertig war und ich merkte, wie viel Freude es ihr bereitete, war das mein grösster Erfolg. Bis heute ist genau das der wichtigste Punkt für mich: Ich baue Velos zum Fahren, nicht als Bijou für die Vitrine.
Was am Ende zählt
Ob ich zu den letzten Rahmenbauern in der Schweiz zähle, beschäftigt mich nicht. Wichtiger ist mir, dass junge Leute mit diesem Handwerk beginnen und die Botschaft weitertragen: Handwerkliche Produktion ist in der Schweiz noch möglich. Jedes Velo bleibt ein eigenes Projekt. Ich kenne die Person, die es kauft, wir verhandeln gemeinsam die Details und klären die Bedürfnisse. Weil wir uns so intensiv mit dem Produkt beschäftigen, wird der Prozess für beide Seiten verbindender als bei einem reinen Kauf. Für mich ist jedes Velo wie ein Baby, das irgendwann die Werkstatt verlässt. Ich freue mich, wenn mir Kundinnen und Kunden später Postkarten von ihren Abenteuern mit dem neuen Velo schicken. So wächst über die Jahre eine grosse Familie.